Anfangs waren wir geschockt über das Abfallproblem in Albanien – obwohl wir schon davon gelesen hatten. Wir möchten dem nicht zu viel Gewicht geben, aber es sollte erwähnt werden: Albanien bietet eine atemberaubende Natur, doch vielerorts ist sie von Müll übersät. Flüsse werden oft als Mülldeponien genutzt, und die schönsten Plätze sind mit Abfall übersät. Doch wir wollen uns auf die positiven Seiten konzentrieren, denn Albanien hat uns auf vielfältige Weise begeistert.
Unsere Reise startete in Shkodra, wo wir für drei Tage auf dem gemütlichen Lake Shkodra Resort von Niko und Fay blieben. Dort warteten wir auf unsere grüne Versicherungskarte – die jedoch bis heute nicht eingetroffen ist. Der Aufenthalt bot uns eine perfekte Basis für Erkundungen in die Umgebung. Ein Ausflug ins Landesinnere führte uns über schmale Wege an zerfallenen Hütten, blühenden Wiesen und geschäftigen Menschen vorbei. Eine Frau bürstete ihre struppigen schwarzen Haare, ein Mann trieb gemächlich seine Schafherde vor unserem Fahrzeug her, und eine Gruppe Männer stand rauchend vor einer kleinen Hütte – scheinbar ihre Lieblingsbeschäftigung. Was uns jedoch am meisten beeindruckte, war die Herzlichkeit der Menschen: Wo immer wir hinsahen, wurde uns freundlich zugewunken, oft mit einem Lächeln, das von Ohr zu Ohr reichte.
Während einer Fahrt über eine holprige Schotterstraße erreichten wir eine alte Brücke. Doch was wir dort sahen, war schockierend: Der Fluss darunter war vollständig mit Abfall bedeckt. Doch plötzlich bemerkten wir eine Gruppe von Jugendlichen und Lehrern, die mit Handschuhen und Müllsäcken Abfall sammelten. Kurzerhand schlossen wir uns der Aktion an. Die Begeisterung und der Jubel der Gruppe waren ansteckend, und wir feuerten uns gegenseitig an. Anlass war der bevorstehende „National Albania Cleaning Day“ am 20. Mai 2012. Auch wenn wir wissen, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, war es ein wunderbares und motivierendes Erlebnis.
Am Mittag fuhren wir weiter in die albanischen Berge. Die Wege wurden schmaler, und oft war unklar, ob es überhaupt weitergehen würde. Doch die beeindruckende Natur hielt uns in Atem. Ein purpurblauer See lockte uns in der Ferne, doch die Orientierung war schwierig: Die Straßen waren auf unserer Karte von Reise Know-How oft nicht eingezeichnet. Schließlich fanden wir uns in einer Sackgasse wieder – mitten in einem kleinen Dorf.
Hier begegneten wir unglaublich herzlichen Menschen. Mit Händen und Füßen, aber auch in allen Sprachen, die uns einfielen, diskutierten wir mit ihnen über den Weg zum See. Die Großmutter des Hauses nahm mich schließlich in den Arm und küsste mich, als wäre ich eine Göttin. Ein unglaublich berührender Moment!
Die kleinen Jungen des Dorfes begleiteten uns schließlich ein Stück des Weges, um sicherzustellen, dass wir uns nicht erneut verirrten. Doch auch der Weg durch ein Flussbett führte uns wieder in eine Sackgasse – Danke, Reise Know-How, für die „präzise“ Kartenführung!
Zurück auf dem Campingplatz unternahmen wir einen Ausflug in die Stadt Shkodra. Wir besichtigten die Ruinen einer Burg, deren geschichtliche Hintergründe uns leider verborgen blieben. Danach kehrten wir in eine kleine, einfache Taverne ein und genossen für gerade einmal 2 Euro einen Teller Spaghetti. Shkodra bietet Touristen wenig Sehenswürdigkeiten, gibt aber einen faszinierenden Einblick in das Leben der Albaner: ein Land, das chaotisch wirkt, aber irgendwie zu funktionieren scheint. Die Menschen sind unglaublich gelassen, rücksichtsvoll, kontaktfreudig und lieben es, fotografiert zu werden.
Da das Wetter weiterhin nicht ideal fürs Campen war, verabschiedeten wir uns von Niko und Fay und machten uns auf den Weg entlang der albanischen Küste – auf der Suche nach Sonne. Ein herzliches Dankeschön an Niko und Fay für ihre Gastfreundschaft. Ihr Lake Shkodra Resort ist absolut empfehlenswert!